akzept e.V.

Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik

Harm Reduction / Substanzen

Hier erfahren Sie Neuigkeiten aus Praxis und Forschung sowie zu politischen Entwicklungen.

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Cannabis

akzept stellt hier ausgewählte Meldungen und Hinweise ein. Die aktuellsten Informationen zu Cannabis finden Sie auf
https://hanfverband.de
Die Seite mit den umfangreichsten Informationen Zu Cannabis als Medizin ist:
https://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de

Zur Begleiterhebung zur Anwendung von Cannabisarzneimitteln in Deutschland liegt eine Zwischenauswertung vor: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00103-019-02968-0
Hier eine kurze Zusammenfassung von Max Plenert:
Beim Zwischenergebnis der Begleiterhebung zu Cannabis-Arzneimitteln, das Ende Mai vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) veröffentlicht wurde, schneiden Cannabisblüten besser als Fertigarzneimittel und Rezeptursubstanzen ab. Das ist im Rahmen der bisherigen Berichterstattung zur Erhebung leider völlig untergegangen. Bei der Erhebung werden seit Inkrafttreten des Gesetzes 2017 unter dem Begriff Cannabisarzneimittel die Fertigarzneimittel Sativex (GW Pharma Ltd, Salisbury, Wiltshire, UK) und Canemes (AOP Orphan Pharmaceuticals AG, Wien, Österreich) sowie Rezepturen von Dronabinol, Nabilon, Cannabisblüten und weiteren Cannabisextrakten zusammengefasst. Die Teilnahme an der Begleiterhebung ist verpflichtend.
Kaum jemand schaut genauer hin
Zum Zeitpunkt der Zwischenauswertung am 01.02.2019 lagen 4153 vollständige Datensätze vor. Während andere Medien, darunter auch Hanf-Fachmedien, von einem enttäuschenden Ergebnis sprachen, hat sich unsere Redaktion mit Unterstützung von Maximillian Plenert die Mühe gemacht, die Ergebnisse etwas intensiver zu betrachten und sind zu einem anderen Schluss gekommen. Deshalb haben wir die in den Augen der Redaktion interessantesten Ergebnisse hier noch einmal kurz zusammengefasst.

  • Am häufigsten (69 %) werden„Schmerzen“ als primär therapierte Symptomatik genannt. Nach Häufigkeit folgen Spastik (11 %) sowie Anorexie/Wasting (8 %).
  • Die Nebenwirkung „euphorische Stimmung“ wurde bei der Anwendung von Cannabisblüten (4 %) im Vergleich zu Dronabinol (2 %) und Sativex (2 %) doppelt so häufig angegeben. Ähnliches ist für die Nebenwirkungen Appetitsteigerung und Gewichtszunahme zu beobachten.
  • Bei separater Auswertung der Nebenwirkungsmeldungen zu Sativex fällt auf, dass Müdigkeit, Lethargie, Schläfrigkeit, Aufmerksamkeitsstörungen, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Mundtrockenheit und Übelkeit häufiger angegeben wurden als bei Dronabinol und Cannabisblüten.
  • Häufigster Grund für einen Therapieabbruch war die nicht ausreichende Wirkung, gefolgt von zu starken Nebenwirkungen.
  • Bei Cannabisblüten klagen Patienten, verglichen mit den anderen Präparaten, am seltensten über Nebenwirkungen.
  • Die Abbruchrate bei einer Therapie mit Cannabis-Blüten im ersten Behandlungsjahr liegt derzeit bei 12,6  %.
  • Die Abrruchrate bei einer Therapie von Sativex liegt im ersten Behandlungsjahr bei 48,4 %.
  • Die Abrruchrate bei einer Therapie von Dronabinol liegt im ersten Behandlungsjahrbei 43,69 %.
  • Bei Cannabisblüten wurden in 16 Fällen Lieferschwierigkeiten als Abbruchgrund genannt. Bei Dronabinol und Sativex besteht dieses Problem nicht.

Noch mehr und noch detaillierte Zahlen zur Erhebung gibt es hier.
Eine Frage des Preises
Es scheint also so, als ob Cannabis-Blüten den anderen Arzneien in Sachen Wirksamkeit und Nebenwirkungen mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen  sind. Doch für eine endgültige Bewertung ist es noch zu früh, hier gilt es das Ende der Erhebung abzuwarten. Was allerdings schon jetzt fest steht, ist der Preis für die Therapie mit Cannabis. Ein Gramm des Hauptwirkstoffes THC kostet:

  • circa 450 Euro Form von Sativex  Dronabinol
  • circa 880 Euro in Form von Dronabinol
  • circa 120 Euro als Cannabisblüte mit 22% THC (wie zum Beispiel die Sorten Bedrocan oder Pedanios 22/1)

Sollte sich zum Ende der Erhebung manifestieren, dass kanadische oder niederländische Cannabisblüten den Produkten der deutschen Pharmaindustrie in nichts nachstehen, wird es langfristig schwer werden, den extrem hohen Preis von Cannabis-Fertigarzneimitteln oder -Isolaten wie Dronabinol zu rechtfertigen.

 

Meldungen

Cannabis als Medizin

 09.08.2019: Der Hanfverband meldet ein wichtiges Urteil für Patienten: Das Landessozialgericht Hamburg stärkt die Therapiehoheit von Cannabis-Patienten und deren behandelten Ärzten. https://hanfverband.de/nachrichten/news

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Substitutionsbehandlung

Ein wesentliches Thema der Arbeit von akzept sind seit zwei Jahrzehnten die Bemühungen um Verbesserungen der Substitutionsbehandlung, allein und mit Partnern wie der DAH, dem BVDP und der DGS.

 

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Stets aktuelle Informationen zu den Entwicklungen der Substitutionsbehandlung bietet: https://www.forum-substitutionspraxis.de
Diese Seite ist auch oft Quelle der hier eingestellten Meldungen.

Neues zur PSB und Substitution

akzept, DAH, JES, vista und mudra haben eine Positionspapier zur Psycho-sozialen Betreuung entwickelt:
PositionspapierPSB

Auch in 2019 wird die Fachkunde PSB, entwickelt von akzept, DAH und LWL, wieder als Weiterbildung vom LWL angeboten.
FachkundePSB2019.pdf

Die DAH und JES haben einen Musterbehandlungsvertrag für die Substitutionsbehandlung vorgelegt:
MusterbehandlungsvertragSubstitution

Die BtMVV von 1998 wurde in 2018 geändert:
Die „Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung vom 20. Januar 1998 (BGBl. I S. 74, 80), die zuletzt durch Artikel 2 der Verordnung vom 2. Juli 2018 (BGBl. I S. 1078) geändert worden ist“
(Stand: Zuletzt geändert durch Art. 2 V v. 2.7.2018 I 1078)
http://www.gesetze-im-internet.de/btmvv_1998/BJNR008000998.html

Auch die Substitutions-Richtlinie der Bundesärztekammer wurde aktualisiert.
Dazu ein Artikel von Kunstmann, Wilfried; Specka, Michael; Wodarz, Norbert; Scherbaum, Norbert
Dtsch Arztebl 2019; 116 (18): 880–6: https://www.aerzteblatt.de/archiv/206993

Die aktuellenBÄK Richtlinien: https://www.bundesaerztekammer.de/richtlinien/richtlinien/substitutionstherapie/

Auch der GBA – Gemeinsamer Bundesausschuss hat mit Datum vom 06.09.2018 seine Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung: Änderung der Anlage I Nummer 2 – Substitutionsgestützte Behandlung Opiatabhängiger angepasst:
Beschluss veröffentlicht: BAnz AT 06.12.2018 B6
https://www.g-ba.de/informationen/beschluesse/3472/

Nach der Zulassung des Buprenorphindepotpräparats Buvidal® hat nun die italienische Firma Molteni die Zustimmung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA erhalten für ein subkutanes Implantat, das Buprenorphin über einen Zeitraum von sechs Monaten freisetzt. Die Europäische Kommission muss der Zulassung noch zustimmen. (aerzteblatt.de, 29.04.2019)
https://www.forum-substitutionspraxis.de/substitutionsmittel/buprenorphin/18734-ema-spricht-sich-fuer-buprenorphin-implantat-zur-behandlung-von-opioidabhaengigkeit-aus

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Datenbank

Es gibt inzwischen eine Reihe von Rehabilitationseinrichtungen, die Substituierte aufnehmen.
Einige davon sind nur von den regionalen DRV’en anerkannt, wie auch diese:
Therapeutische Einrichtung Auf der Lenzwiese;
Annelsbacher Weg 1;
64739 Höchst-Hassenroth
Fon 06163 9338-0; Fax 06163 9338-22
E-Mail: lenzwiese@jj-ev.de; lenzwiese-aufnahme@jj-ev.de
http://www.drogenberatung-jj.de/index.php/lenzwiese
Hier eine aktuelle Liste von Reha-Einrichtungen:
http://www.akzept.org/uploads1516/RehaEinrichtungen16.pdf

NPS und andere Substanzen

Meldungen

Eine neue, nicht abstinenzorientierte Hilfe für Partydrogengebraucher steht mit dieser App von Basisi e.V. Frankfurt zur Verfügung: https://www.rauchmelder-bac.de/

Checking Drug-Checking – Potentiale für Prävention, Beratung, Harm Reduction und Monitoring
Herausgegeben von Karsten Tögel-Lins, Bernd Werse und Heino Stöver
Fachhochschulverlag, 18,00 €, ISBN 978 3-943787-91-7
http://www.akzept.org/up1118/CheckingDrugChecking.pdf

Texte

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