akzept e.V.

Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik

Nachrufe

Nachruf auf René Akeret (4. Juli 1959 – 16. Dezember 2018)
Mit René ist ein langjähriger Experte im Suchtbereich in der Schweiz von uns gegangen. Kooperationspartner von akzept und Institut für Suchtforschung Frankfurt (ISFF). Gemeinsam haben wir nicht nur über harm reduction nachgedacht, diskutiert, geplant, sondern in einem Projekt für das Bundesamt für Gesundheit (BAG) der Schweiz erst kürzlich auch über den Transfer der erfolgreichen Harm Reduction – Strategie in den Bereich legaler Suchtmittel geforscht. Noch im November haben wir gemeinsam die Ergebnisse dieses Projektes auf der 4th European Harm Reduction Conference in Bukarest vorgestellt.
Sein plötzlicher Tod hat mich und Kolleg_innen sehr stark beschäftigt und tut es noch! Geschockt, wie immer, wenn der Tod so nah kommt – einfach da ist!
René wird uns fehlen – es hat sehr viel Spaß gemacht mit ihm zu arbeiten und zu sein! Er war jemand, der Dinge bewegt hat, der Veränderungen vorgedacht hat – pragmatisch, undogmatisch, visionär.

Den Angehörigen sprechen wir uns tiefstes Beileid aus!
Heino Stöver

akzept trauert um Prof. Dr. Robert -Bob- G. Newman.
Am 3. August meldete die New York Times Nachruf auf Prof. Dr. Robert („Bob“) G. Newman
Eine Nachricht, die alle die ihn gekannt haben sehr traurig macht: Bob Newman ist am 1. August im Alter von 80 Jahren in New York gestorben.
Er hat große Verdienste um die Entwicklung und Vernetzung der Methadonbehandlung Opia-tabhängier in den USA erworben, vor allem als Präsident des Beth Israel Medical Center von 1978 bis 1997, arbeitete er an der Erweiterung der Sucht- und Psychiatriedienste, HIV und AIDS Behandlung, und Hilfe für die LGBT Community.
Von 1997 bis 2000 leitete Dr. Newman die Integration und den Zusammenschluss mehrerer Krankenhäuser zum Mount Sinai Beth Israel in New York.
Und er hat große Verdienste erworben um die Einführung der Substitutionsbehandlung in Deutschland in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts – gegen erheblichen Widerstand der damaligen ‚Fach’welt, der weiteren Öffentlichkeit und der meisten Politiker_innen. Ich erinnere mich an meine erste große Veranstaltung in Frankfurt etwa Mitte der 80er Jahre, wie er einsamer Rufer in der Wüste war, und viele um ihn herum auf dem Podium und im Saal das Potential, aber vor allem die Dringlichkeit der Einführung der Substitutionsbehandlung verkannt haben. Er war noch oft hier und mit der zwischenzeitlich ebenfalls verstorbenen Dorothea Klieber aus Markt-Schwaben bei München hat er einen Informationsdienst aufgebaut, das war damals ein Fotokopierservice für interessierte Politiker_innen und Drogenhilfemitarbeiter_innen. Dieser Informationsservice war enorm wichtig, um Ergebnisse aus Wissenschaft und Forschung und Anwendung der Substitutionsbehandlung zu verbreiten!
Er war Pionier, und wie so oft verkennt man Pioniere, belächelt sie, bemitleidet sie fast, aber wenn sie recht behalten, und alles sich ändert, ändern muss, ist man von erster Stunde an dabei gewesen…
Bob Newman war überzeugter Verfechter der Substitutionsbehandlung und niedrigschwelliger Hilfen für Drogenabhängige, er war leidenschaftlich und mit Freude (und viel Humor) bei seiner Arbeit! Denn wenn man das nicht ist, macht man seine Arbeit nicht ganz!

Er war oft hier, hat spannende Vorträge gehalten, hat uns ermutigt, weiterzumachen gegen die Fundamentalisten und Abstinenzprediger_innen. Und es war eine Freude ihn argumentieren zu hören -– zuletzt 2010 auf dem akzept-20-Jahresjubiläum in Berlin! Ein unvergesslicher Abend! Am Ende immer dieser Charme, wenn er deutsch sprach mit allerstärkstem amerikanischen Akzent!

Danke, Bob, für Deine Ermutigungen und für Deine Leidenschaft!!
Heino Stöver, 7. August 2018

zum Download mit Bild: http://www.akzept.org/uploads0517/BobNewman.pdf
und auf http://www.akzept.org/aktuelles.html

Der Neuköllner Suchtmediziner Chaim Jellinek starb am 27.Mai 2017 und wurde am 30.Mai beigesetzt.
In einem Nachruf von Patienten heißt es: Unser großer Mann.
Es war eine schillernde Persönlichkeit mit großem (auch gelebtem) sozialen Engagement.
Akzeptler und er waren selten einer Meinung – aber streiten, auseinandersetzen und nach Neuem suchen war extrem gut mit ihm! Dafür hat er unsern Respekt!

Ausführliche Nachrufe: http://www.tagesspiegel.de/berlin/methadon-praxis-in-neukoelln-arzt-und-helfer-chaim-jellinek-gestorben/19866346.html

Und http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/28706

Franz Trautmann
Schon wieder müssen wir einen Nachruf veröffentlichen. Am 11.06.2016 starb unerwartet Franz Trautmann. Langjährigen akzept Mitgliedern ist er wohl vertraut, sein Trimbos Institut kooperierte oft mit akzept. Zuletzt hatten wir ihn als Referenten auf dem akzept Kongress 2013 in Frankfurt zu Gast. Seine Kollegen und Freunde haben eine Kondolenzseite eingerichtet: https://www.remembr.com/en/franz.trautmann

akzept trauert um Joep Oomen, der am 18. März 2016 mit nur 54 Jahren in Antwerpen gestorben ist.
Der bei Todesfällen oft benutzte Begriff ‚unerwartet‘ stimmt hier leider. Ein Aktivist, der international drogenpolitische Änderungen mit scheinbar nie versiegender Energie einforderte und intensiv mit gestaltete, in seinem Heimatland Flandern, im EU-Parlament in Brüssel, in den europäischen Ländern, in Bolivien und den USA. Ein Aktivist mit klarer unbestechlicher Haltung, ein Aktivist der Visionen realisieren wollte und konnte, ein Aktivist der sich der Basisdemokratie verpflichtet fühlte.

Beileidsbekundungen können hier gegeben werden: http://www.voc-nederland.org/2016/03/20769/
Die Todesnachricht mit einem ersten Nachruf: http://www.akzept.org/uploads1516/NachrufJoep.pdf

akzept trauert um Dorothea Klieber Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.
Aktivistin der ersten Stunde für akzeptierende Drogenarbeit und Substitutionsbehandlung,
Geboren am 5. Dezember 1920 – gestorben am 11. Juli 2013.

Nachruf von Robert Newman:

Dorothea Klieber – A classy lady!
Am 14.Novermber 1987 fand an der Universität Frankfurt eine Konferenz statt, auf der diskutiert wurde, welche Rolle die Methadonbehandlung in Deutschland einnehmen könnte. Zum Abschluss fragte einer der Zuhörer das anwesende internationale Ärztegremium: „Ist es moralisch, ist es ethisch und ist es mit dem hippokratischen Eid zu vereinbaren, Suchtkranke in der Gosse verrecken zu lassen unter dem Motto nimm meine saubere Therapie oder krepiere?“ Dieser junge Mann war Max Klieber, das einzige Kind der verwitweten Dorothea Klieber aus Markt Schwaben. Kaum ein halbes Jahr später schrieb und verbreitete Dorothea Klieber ihren „Bericht einer Mutter“, der so abschloss: „Mein Sohn, seit 15 Jahren gehetzt und gejagt, sah keinen anderen Ausweg mehr und machte seinem verzweiflungsvollen Leben ein Ende. Methadon wäre die Rettung gewesen. ICH KLAGE AN!“ Und wie reagierte Dorothea Klieber auf diese unvorstellbare, in die Verzweiflung stürzende und vermeidbare persönliche Tragödie? Die Antwort findet sich in einem Rundschreiben des Vereins für Drogenpolitik e.V. (13. April 2002): „Was andere in verzweifelte Starre gestürzt hätte, war für Dorothea Klieber Ansporn, den Kampf aufzunehmen.“ Nicht nur hat sie den Kampf aufgenommen, sondern sie hat in dessen Sieg eine führende Rolle gespielt – eine Rolle, die anerkannt wurde, als sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde! Ich hatte das Vergnügen und Privileg Dorothea Klieber über ein Vierteljahrhundert zu kennen und sie regelmäßig besuchen zu können, gewöhnlich zwei bis drei Mal im Jahr – das letzte Mal im vergangenen März. Sie war außergewöhnlich: immer zufrieden, lächelnd, ihren Garten und die Nähe ihrer Freunde genießend. Niemals hörte ich sie über ihr Alter klagen (in den letzten Jahren nahm ihre Sehkraft stark ab und ihre Mobilität war sehr eingeschränkt), noch über den Schicksalschlag, der sie bewogen hatte, eine so leidenschaftliche Fürsprecherin jener Menschen zu werden, die diese Therapie so verzweifelt brauchten.
Kurz gesagt, Dorothea Klieber was what in English is called „a classy lady“ – sie war klasse!
R.Newman, New York, Juli 2013

Gedanken über große Zusammenhänge – zum Tod von Günther Amendt
Gesellschaftliche Dimensionen und Dynamiken aufdecken, große Brücken schlagen, ob Sexualaufklärung in düsteren lustfeindlichen Zeiten oder Drogenaufklärung in unserer ansonsten doch so aufgeklärten Welt: das waren große Aufgaben, denen Günther Amendt auf vielfältige Weise seine Lebensarbeit gewidmet hat.
Er war Sozialwissenschaftler, der sich traute die großen gesellschaftlichen Zusammenhänge zu untersuchen und Missstände anzuklagen, seine Finger in die Wunden bigotter bürgerlicher Moral zu legen: Diese Gesellschaft lebt (gut) mit Drogen, sie funktioniert (nur) mit Drogen -, aber sie will sich zu einem ganzen Bündel psychotroper Substanzen nicht anders als mit Kriminalisierung ihrer GebraucherInnen verhalten. Das ist nicht sehr intelligent, erfüllt aber sozialpsychologisch eine bestimmte Funktion. Daraus hat Günther Amendt in unzähligen Interviews, Podiumsdiskussionen- davon auch einige mit akzept – und auch in seinen Publikationen immer wieder hingewiesen: Vor allem die drei Bücher ‚Sucht Profit Sucht. Zur politischen Ökonomie des Drogenhandels‘ sowie ‚Die Droge. Der Staat. Der Tod. Auf dem Weg in die Drogengesellschaft‘ und ‚No Drugs. No Future. Drogen im Zeitalter der Globalisierung‘ sind Bestseller gewesen, die von einer aufklärerischen Wucht der ‚Sexfront‘ waren.

Sein Vermächtnis ist ganz sicher, uns weiter Gedanken über die großen Zusammenhänge zu machen, nicht im Alltagsdrogensumpf zu versinken, sondern die großen Missstände, wie z.B. den Weltdrogenkrieg anzuklagen, der auch in Deutschland und mit deutscher Beteiligung geführt wird. (Heino Stöver)

How many times must a man look up before he can see the sky? How many ears must one man have before he can hear people cry? How many deaths will it take till he knows that too many people have died? The answer, my friend is blowin‘ in the wind The answer is blowin‘ in the wind. The answer is blowin‘ in the wind. (Bob Dylan)